Foto: pixelrobot – stock.adobe.com 10 Pfennig in den Schlitz, den Hebel nach rechts gedreht. Es hakt kurz – und ratsch: Operation erfolgreich. Schnell die Hand aufhalten! Für Nostalgiker ist er ein Symbol für Kindheit: der rote Kaugummiautomat, der einst an nahezu jeder Straßenecke hing. Doch warum heißen die bunten Kugeln eigentlich Kaugummi? Und was kauen wir da überhaupt? 01 Diese moderne Kaumasse ist gesundheitlich unbedenklich, lebensmittelecht und chemisch stabil. Verschluckt wird sie übrigens nicht verdaut, sondern einfach wieder ausgeschieden. Hartnäckig bleibt Kaugummi allerdings anderswo: als klebriger Fleck auf dem Gehweg oder unter dem Schuh – und hält leider deutlich länger als zuvor der Geschmack. Roman Winnicki Die Geschichte des Kaugummis begann schon vor rund 10.000 Jahren: Da kauten Menschen im heutigen Skandinavien auf Birkenpech – vermutlich zur Mundhygiene oder gegen Schmerzen. In der Antike war dann Mastix, das Harz der Mastixsträucher, auch wegen seines Geschmacks geschätzt. In Mittelamerika nutzten die Maya und Azteken den Latex des Sapotillbaums, „Chicle“ genannt: Der beim Erhitzen gummiartig werdende Saft wurde aus rituellen und hygienischen Gründen verwendet. Zum modernen Kaugummi wurde Chicle vor etwa 170 Jahren, als der Erfinder Thomas Adams daran scheiterte, aus dem Stoff Spielzeug oder Reifen herzustellen. 02 Der Kern moderner Kaugummis ist eine Masse aus Polymeren wie Butylkautschuk oder Polyvinylacetat – synthetische Stoffe auf Erdölbasis, die elastisch sind und sich nicht zersetzen. Um Konsistenz und Kaugefühl zu steuern, werden Wachse und Harze beigemischt. Süße liefern heute meist Zuckerersatzstoffe. Dazu kommen Feuchthaltemittel, Füllstoffe sowie Aromen und Farbstoffe. 04 05 Hach, herrlich, ich war gerade draußen. Gassi gehen. Schnee unter den Pfoten, eiskalte Nase – nennt sich: Winter. Für mich heißt das: Herrchen herbeibellen, Leine dran, los geht’s! Für euch Menschen aber heißt das offenbar: reflexhaft ab in den Krisenmodus. Kaum rieselt es richtig weiß vom Himmel, gehen bei euch die Warnlampen an. Die Tagesschau eröffnet mit dem Wetter, die Schule fällt aus, die Bahn stellt vorsorglich den Betrieb ein, Schlagzeilen bellen was von „Schneekatastrophe“, noch bevor ich meinen Lieblingsbaum erreicht habe. Mich irritiert das. Ihr redet doch ständig von Resilienz, von Krisenfestigkeit, von Wettbewerbsfähigkeit. Große Worte, oft gehört. Und dann reicht ein bissMein Vorschlag: Leine nehmen, Tür auf, losgehen. Mehr Pragmatismus, weniger Panik. Und falls ihr vergessen habt, wie das geht, fragt einfach mal in den Kautschuk-Betrieben nach. Wuff! Bonzo, der Ballonhund Der Einwuff Glosse Foto: Lars Kaletta chen Schnee, damit ihr kollektiv im Warmen bleibt? Also, ich bin da härter, ich gehe bei jedem Wetter raus. Okay, zugegeben, muss ich ja auch. Immerhin: Jene Resilienz, die ließ sich ja durchaus auch beobachten. In den Werkhallen der Kautschukfirmen zum Beispiel. Während draußen Krisengebell zu hören war, standen Zehntausende Beschäftigte trotzdem pünktlich zu Schichtbeginn auf der Matte. Und machten einfach ihre Arbeit, so wie immer. Unaufgeregt. Trotz Schnee. Trotz Kälte. Maschinen laufen, Prozesse laufen, Arbeit läuft. Da wird nicht lange diskutiert, da wird gemacht. Mein Einwuff: Das Problem ist eigentlich nicht der Schnee. Das Problem ist euer Umgang damit. Zehn Zentimeter Weiß – und ihr bellt die Katastrophe herbei. Dabei ist doch bloß: Winter. Vor nicht allzu langer Zeit hättet ihr so ein schnödes Tiefdruckgebiet schulterzuckend hingenommen. Heute reagiert ihr mit prophylaktischer Paralyse. Klar, Vorsicht ist immer gut. Aber Übertreibung, die hilft niemandem. Bonzo ist das Maskottchen der Kautschukindustrie bei der IdeenExpo. Zieht sich wie… Das Ding … Kaugummi: Das Produkt ist in aller Munde und seine Geschichte reicht weit zurück Denn Adams gab nicht auf! Er mischte Chicle gezielt mit Zucker und etablierte damit kommerziell das „Chewing Gum“. Kauen plus Gummi: Der Name war Programm. Was heute im Mund zermahlen wird, hat allerdings mit Birkenpech oder Chicle nur wenig zu tun – und ist auch meist kein Naturprodukt mehr. 03 16 — KAUTSCHUK AUSGABE 25 / FEBRUAR 2026
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